Alp- und Viehwirtschaft im Stillachtal
Die Alp- und Viehwirtschaft gehört zum Stillachtal wie die Stillach selbst, und weist eine lang verwurzelte Tradition auf. Erste Aufzeichnungen über Weidegenossenschaften im Rappenalptal gehen bis auf das Jahr 1390 zurück. Seither sorgen Generationen von Alpbauern in teils mühevoller Arbeit dafür, dass die südlichste Bergregion Deutschlands jedes Jahr aufs Neue zum Sommermärchen wächst.
Die Alpwirtschaft bietet nicht nur den Vierbeinern in der Sommerfrische ganz neue Perspektiven, sondern auch unseren Gästen. Durch das alljährliche Beweiden der üppigen Flächen rund um die Alpen Rappenalpe, Biberalpe, Haldenwang und Taufersberg mit knapp 800 Jungtieren, kann sich die Natur in all ihrer Pracht entfalten. So entstehen unvergleichliche Landschaftsmomente von sanft und harmonisch bis steil und felsig. Satte Blumen- und Kräuterparzellen wechseln sich ab mit schroffen Hängen und Latschenfeldern. Ein Genuss für das menschliche Auge!
Das Jahr im „Berg“
Die Arbeit der Alpbauern und Alphirten beginnt bereits im Anschluss an den Winter. Es müssen die Spuren, die Lawinen und Winterstürme hinterlassen haben, beseitigt werden. Wege und Zäune müssen trittfest gemacht werden, bevor die Herde mit Jungtieren Einzug ins Rappenalptal hält. Während der Mensch schon mit den ersten Frühlingsboten im Rappenalptal unterwegs ist, können sich die Jungtiere erst langsam in den Seitentälern von Oberstdorf auf der Vorweide akklimatisieren. Erst mit der Alpfahrt Anfang Juli beginnen sie dann den Bergsommer. Morgens, wenn die Nacht ganz allmählich dem Tag weicht, ziehen sie durch das Stillachtal weiter ins Rappenalptal, und ihre Weidschellen läuten den Alpsommer unweigerlich ein.
Im Laufe des Sommers geht es dann Stück für Stück in die Höhe um immer wieder auf’s Neue in den Genuss saftiger Alpwiesen und seltener Kräuteressenzen zu kommen.
Der „Alphirt“
Begleitet und behütet werden die Jungtiere hierbei von den Alphirten, die in einfach ausgestatteten Alphütten
leben. Diese Idylle, die das Alpleben hier so zeichnet ist aber trügerisch. Nicht selten haben Tier und Mensch in über 2000m Höhe mit Unwägbarkeiten zu kämpfen. Der Älpler-Alltag wird bestimmt von Wetter und Natur und ist demnach äußerst anstrengend und kräfteraubend. Ein gesundes Gleichgewicht der Naturgewalten wünscht sich daher jeder Hirt im Sommerberg.
Der „Scheid“
Anfang September verlassen die Jungtiere dann allmählich die luftigen Höhen und ziehen wieder talwärts . Über einzelne Etappen dann wieder an den Hofhütten angelangt, bereitet man sich auf den Viehscheid in Oberstdorf vor. Die gewohnten Weidschellen werden gegen schwere Zugschellen getauscht und bei Unfallfreiheit auf der Alp wird ein Kranzrind auserkoren, das die Herde auf den Viehscheidplatz führt. Und so endet der Urlaub der Vierbeiner am 13. September.
Dies ist stets ein besonderer Tag im Stillachtal. Während in Oberstdorf die letzten Vorbereitungen für einen Festtag laufen, nehmen wir im Stillachtal Abschied vom Sommer.
Bereits ganz früh am Morgen, noch vor dem ersten Sonnenstrahl, vernimmt man das Getöse der Zugschellen, begleitet von einer Dampfwolke, die sich durch das Tal wälzt. Das Vieh kehrt heim und so ist wieder ein Abschnitt im Jahr vergangen und es ist nicht selten der Moment zur Reflektion, der diese morgendlichen Augenblicke im Tal schon fast besinnlich macht.Ein Sommer ist vergangen im Tal und auf den Alpen. Die Schellen sind verstummt und es wird leise. In dieser Stille erfahren wir die Wertigkeit der Alpwirtschaft und schätzen diese
gerade auch als Wanderer.
Stillachtal = Symbiose aus Natur, Tier und Mensch!